Zusammen mit meinen beiden Brüdern gründeten wir eine Art “Familienunternehmen”: Der große Bruder machte den Teig, der kleine kassierte, und ich bug die Crêpes. Zwei Jahre hatte ich meinen ersten Nebenjob (als Schüler) als Aushilfe in einem Café. Aber nicht als Service-Bedienung, sondern in der Backstube. Samstags und sonntags morgen um 5 Uhr stand ich zwischen Teigmaschinen, unzähligen Backbleche
n und Mehlsäcken und half fleißig dabei, Kuchenteig zuzubereiten, Torten zu belegen oder Puddigteig zu rühren. In der Vorweihnachtszeit betrieb die Cheffin des Cafés auch einen Crêpestand am Weihnachtsmarkt. Unverhoffter Dinge wurde ich eines Arbeitstages dorthin abkommandiert. Nach einer dreminütigen Einführung hieß es: “So, Du machst das schon”. Tatsächlich gelang es mir nach kurzer Zeit schon sehr gut, schöne Crêpes zu backen, zu belegen und auch zusammenzulegen. Es machte echt Spaß, die Zeit verging im nu’ und ich bot mich von nun an immer für den Dienst in der Crêpesbude an. Ein Jahr später, wieder in der Vorweihnachtszeit, war das Café leider geschlossen. Plötzlich merke ich aber, dass ich mich auf etwas gefreut hatte, was jetzt jemand anderes machte: ein anderer Budenbetreiber hatte seine Chance genutzt, den freien Standplatz auf dem Weihnachtsmarkt zu besetzen. Niedergeschlagen machte ich mir Gedanken, was ich alles für einen eigenen Crêpestand benötige und wie ich den verlorenen Platz wieder zurück gewinnen könnte. Ein Jahr später dann startete ich mit meinen beiden Brüdern, einer geliehenen Crêpiere, selbstgemalten Preisschildern (mit Wachsmalstiften) sowie viel Improvisation und Tatendrang durch. So sehr, dass mich der Spaß am Crêpes backen, dem Auftreten als Budenbetreiber, der ganzen Arbeit von A bis Z (Planung, Einkauf, Teig machen, Bude säubern, etc.) bis heute in seinen Bann riss. Nebenbei gesagt verdiente ich mir in 8 Tagen Weihnachtsmarkt ein hübsches Sümmchen, für das spezialisierte Fachkräfte einen ganzen Monat arbeiten müssen. Für einen heranwachsenden ein absoluter Traum, um seinen persönlichen Neigungen und Drang nach Freiheit, Urlaub, Bildung, Kultur und Konsum gerecht zu werden. Heute freue ich mich immer noch über den Zuverdienst, in erster Linie sind es aber andere persönliche Gründe, die mich zum Weitermachen bringen. Zum einen die persönliche Verbundenheit zur Region, viele nette Menschen, die ich sonst nicht zu Gesicht bekomme, der Spaß am Crêpes backen (immer noch!), das Ausleben kreativer Impulse (neue Produkte, neues Design, stetige Verbesserung des Angebotes und der Darbietung) und die Möglichkeit, eine kleine Sache auf selbstständiger Basis betreiben zu können bilden für mich den Kern der Faszination Crêpestand. Eine kleine Nebenwirkung gibt es: Seit der Anfangszeit kann ich keinen Supermarkt oder Discounter betreten, ohne die nutella-Preise zu checken :-)
Gerne vermittele ich die Faszination Crêpestand mit meinem Wissen und Erfahrungen weiter, um auch anderen Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich ein Stück individuelle Freiheit zu “erarbeiten” mit einer Arbeit, die meiner Meinung nach nicht gleichzusetzen ist mit modernen Sklaventum oder der ganz gewöhnlichen, normalen Arbeit als “Befehlsempfänger” und ausführende Arbeitskraft im Angestellenverhältnis eben. Bei Interesse daran freue ich mich über eine Nachricht. [email protected]