06/06/2026
Recht-Aktuell vom 06.06.2026
Heute: Warum Milliardäre in Deutschland die wenigsten Steuern zahlen!
Die Bundesregierung hat große Reformpläne.
Herr Merz appelliert gar an die Reformbereitschaft der Bevölkerung.
Warum verschont man dabei aber die Superreichen des Landes , die Milliardäre?
Nur 5 Milliardäre in Deutschland sind genauso reich wie 42 Millionen Bürger des Landes.
Warum zahlen diese Milliardäre aber die niedrigsten Steuern?
Wir wollen der Sache einmal auf den Grund gehen.
Das sind die Details:
1. Eine Milliarde?
• wir machen einmal bildlich deutlich, wieviel unfassbar viel Geld das ist
• damit man besser realisieren kann, worüber wir eigentlich reden
• 1 Million ist schon unfassbar viel Geld, das ist die Zahl mit den 6 Nullen: 1.000.000 €
• das 1.000 fache dieser einen Million ergibt dann eine Milliarde
• das ist die unglaublich hohe Zahl: 1.000.000.000 €
• noch deutlicher gemacht: wenn Ihr täglich 100 € spart, benötigt ihr 27.000 Jahre, um 1 Milliarde Euro anzusparen ☹
2. Die Top 5 Milliardäre in Deutschland
• das Vermögen dieser 5 Milliardäre stellt sich ungefähr wie folgt dar
• 1. Dieter Schwarz: 46,5 Milliarden Euro (Lidl und Kaufland)
• 2. Klaus- Michael Kühne 36,1: Milliarden Euro (Kühne + Nagel, Lufthansa, Hapag-Lloyd)
• 3. Andreas von Bechtolsheim: 30 Milliarden Euro (IT-Unternehmer)
• 4. Susanne Klatten: 25,2 Milliarden Euro (BMW)
• 5. Stefan Quandt: 25,1 Milliarden Euro (BMW)
• es gibt verschiedene Listen, in einigen ist auch Reinhard Würth in den Top 5 gelistet mit auch ca. 25 Milliarden Euro usw.
• die genaue Reihenfolge sowie die geschätzten Vermögenswerte können natürlich je nach Quelle und Stichtag leicht variieren
• aber auf die Namen und die exakten Zahlen kommt es u.E. gar nicht an
• entscheidend ist: allein die 5 Reichsten haben ein Vermögen von über 160 Milliarden Euro
3. Der Vergleich
• 42 Millionen Einwohner Deutschlands haben ein Gesamtvermögen von ca. 160 Milliarden Euro
• das durchschnittliche Vermögen dieser Bürger beläuft sich also auf jeweils ca. 3.800 €
• die 5 reichsten Deutschen sind damit genauso vermögend wie 50 % der gesamten „ärmeren“ Bevölkerung Deutschlands
• diese 5 sind also genau so reich wie gleichzeitig ca. 42 Millionen Deutsche
• hinzu kommt, dass das Vermögen der Superreichen extrem stark wächst
• z.B. von 2020 auf 2023 um ca. 74%
• im gleichen Zeitraum sanken aber Löhne und Renten wegen der Inflation
4. Welche Steuern zahlen die „Superreichen“?
• die Milliardäre zahlen durchschnittlich nur 26 % an Steuern und Sozialabgaben
• das ist weniger als die Hälfte des Spitzensteuersatzes von 45 %
• hilfreich ist hierbei u.a. das deutsche Steuersystem
• eine deutsche Mittelstandsfamilie zahlt hingegen durchschnittlich 40,8 % Steuern und Sozialabgaben
• Alleinstehende sogar 47,8 %
5. Warum zahlen die Superreichen aber weniger?
• die Milliardäre arbeiten weniger, so dass nur ein kleiner Teil ihrer Einkünfte durch Arbeit verdient wird
• z.B. als Geschäftsführer, Aufsichtsratsposten usw.
• ihr Einkommen resultiert vielmehr aus Vermögen
• also aus den Gewinnen und Dividenden ihrer Unternehmen und Investitionen
• entscheidend ist hier die Besteuerung ihrer Vermögenseinkommen
• so wird z.B. bei Aktiengewinnen gespart
• sie lassen sich die Gewinne nicht auf ihr Privatkonto zahlen (dann würden 26 % Kapitalertragssteuer fällig), sondern das Geld landet in Beteiligungsgesellschaften (hier fällt praktisch keine Steuer an)
6. Wie könnte es wieder gerechter werden?
6.1. Vermögenssteuer
• diese ist bereits seit 1997 in Deutschland ausgesetzt und betrug 1%
• es könnte sofort mit einfacher Mehrheit wieder reaktiviert werden
• sie hat damals ca. 0,5 % des Bruttoinlandsprodukts ausgemacht
• das waren bereits ca. 20 Milliarden Euro jährlich
• die Schweiz macht es uns vor, denn hier sind die Unterschiede zwischen Milliardärs-Zahlungen und Höchststeuersatz viel kleiner
• Steuerexperte Jirmann: „Wenn wir umrechnen würden, was die Schweiz an Vermögenssteuern einnimmt, dann wären das in Deutschland Einnahmen von 73 Milliarden Euro.“
• übrigens: eine Schweizer Mittelstandsfamilie zahlt ca. 15 % Abgaben und Steuern
• das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sogar eine Einnahme für den Staat von 147,4 Milliarden Euro jährlich errechnet
• bei einer Einführung einer Vermögenssteuer von z.B. 2% auf große Vermögen würde der Staat ca. 42 Milliarden Einnahmen haben (DIW)
6.2. Verschonungsregel
• durch diese Regel werden bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer Betriebsvermögen bei Unternehmensnachfolgern entlastet, um Arbeitsplätze zu sichern
• dadurch kommt es aber dazu, dass große Vermögen oft steuerfrei übertragen werden
• so profitieren auch Milliardäre und große Konzerne von diesen Ausnahmen
• wer also Bargeld oder Immobilien erbt, zahlt den vollen Steuersatz
• wer Firmenerbe ist, zahlt im besten Falle nichts bzw. wenig
• im Einzelnen:
• bei der Erbschaft oder Schenkung wird eine Steuerbefreiung von 85% ermöglicht (=Regelverschonung)
• der Betrieb muss hierbei 5 Jahre fortgeführt werden
• nur 15% des Firmenwerts müssen versteuert werden
• es gibt sogar die Befreiung bis 100 % (=Optionsverschonung)
• der Betrieb muss mindestens 7 Jahre fortgeführt werden
• das Betriebsvermögen ist zu 100% erbschafts- und schenkungssteuerfrei
• es gibt eine Kappungsgrenze von 26 Millionen Euro
• ist das Vermögen größer, gilt die automatische Verschonung nicht mehr
• es erfolgt die sog. Verschonungsbedarfsprüfung
• wenn der Erbe nachweisen kann, dass er die Erbschaftssteuer nicht aus seinem privatem Vermögen zahlen kann, wird ihm die Steuerschuld anteilig erlassen
6.3. Stiftungsmodelle
• oftmals wird das Vermögen auf sog. Familienstiftungen übertragen
• so werden Steuern minimiert
• das Vermögen wird über Generationen steuergünstig verwaltet
7. Fazit (natürlich subjektiv)
• die Reformen werden nur überzeugen, wenn alle Bürger, auch die Superreichen, herangezogen werden
• Ziel muss doch sein, mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen
• der Gesetzgeber ist gefordert, all die Schlupflöcher, Steuerzahlungen zu umgehen, zu schließen
• es kann doch niemandem erklärt werden, warum der Milliardär 26% Steuern zahlt und der Normalverdiener 42%
• natürlich ist auch der Milliardär mit höchstmöglich zu besteuern
• auch der aufgezeigte Schweizer Weg scheint eine Möglichkeit zu sein
• selbst Herr Spahn im September 2025: die Vermögensverteilung in Deutschland „so nicht in Ordnung ist.“
• die Vermögenssteuer sollte u.E. wieder eingeführt werden
• die Erbschaftssteuer muss zwingend reformiert werden (und da muss nicht erst gewartet werden, bis das Bundesverfassungsgericht das der Regierung nochmals schriftlich aufgibt)
• wir können Euch nicht sagen, warum die Regierung sich bei diesen Punkten so zurückhält
• eine Einkommenssteuerreform (immerhin) wird zum 01.01.2027 „angestrebt“
• nun soll auch noch die Pflege für die meisten teurer werden
• die Regierung will ein Milliardendefizit verhindern
• obige Maßnahmen würden helfen, mehr Steuern einzunehmen von den Superreichen, denen es nicht einmal weh tun würde…..
• dann warten wir einmal ab, was der Regierung hierzu einfällt…
Dieses Thema ist brisant und es gibt sicher noch zig weitere Punkte „dafür und dagegen“.
Alles kann in diesem kleinen Post aber nicht abgearbeitet werden.
Ein Denkanstoß, einmal über diese Ungerechtigkeiten nachzudenken, dürfte es aber allemal sein.
Wie denkt Ihr darüber? Ist das gerecht?
Wir sind - wie immer – auf Eure Meinungen gespannt.
Wer noch nicht genug gelesen hat, dem sei unser Beitrag vom 03.06. über das Mautdebakel und die Steuerverschwendung von fast 300 Millionen Euro des Andreas Scheuer ans Herz gelegt.
Dann bleibt uns nur noch, Euch ein schönes Wochenende zu wünschen!
Eure Rechtsanwälte
Thomas Krafczik & Kathrin Bliefert
Quellen:
www.n-tv.de vom 14.05.2024
www.bild.de vom 11.10.2025
www.tagesschau.de vom 12.09.2025, 06.02.2026
www.handelsblatt.com vom 22.01.2026
www.welt.de vom 04.06.2026
www.saarbruecker-zeitung.de vom 05.06.2026