13/06/2026
Was unterscheidet funktionales Bauen von echter Architektur?
Wir haben Dr. Christian Bergmann, Founder und CEO von CBA Architecture und Jurymitglied des Badischen Architekturpreises 2026, genau das gefragt.
Was ist das Reizvolle an der Juryarbeit beim Badischen Architekturpreis?
Der BADAP macht Architektur öffentlich, nicht nur innerhalb der Disziplin, sondern für
die Gesellschaft. Genau darin liegt seine Qualität.
Die Jury versteht sich dabei nicht als Instanz, die endgültige Urteile fällt, sondern als
kuratierende Ebene: Wir verdichten die eingereichten Arbeiten zu einem präzisen Bild
dessen, was architektonisch relevant ist. Die eigentliche Entscheidung trifft die Öffentlichkeit.
Jeder kann abstimmen.
Das ist konsequent – gerade in einer der bedeutendsten Weinregionen Deutschlands. Wie
beim Wein entsteht Qualität auch in der Architektur nicht im abstrakten Urteil, sondern in der
Erfahrung. Und letztlich sind es die Menschen selbst, die beurteilen, was ihre Lebensqualität
wirklich verbessert.
2. Warum sind Architekturpreise wichtig?
Architekturpreise sind ein Korrektiv. Die aktuelle Debatte wird dominiert von Kosten,
Zinsen, Wohnraummangel und Klimafragen. All das ist relevant – aber es beschreibt noch
keine Architektur. Es beschreibt die Rahmenbedingungen. Dass Gebäude nachhaltig,
ressourcenschonend und wirtschaftlich sind, darf heute kein Qualitätsmerkmal mehr sein. Es
ist Voraussetzung.
Architekturpreise machen sichtbar, wo darüber hinaus ein kultureller Mehrwert entsteht. Sie
zeigen den Unterschied zwischen funktionalem Bauen und Architektur, die einen Beitrag zur
Gesellschaft leistet. Gerade in der aktuellen Situation ist das entscheidend.
3. Was macht ein wirklich herausragendes Projekt aus?
CB: Herausragende Architektur entsteht nicht allein aus der Erfüllung klassischer Kriterien –
auch wenn stadträumliche Einbindung, Proportion, Materialität und Lichtführung
selbstverständlich auf höchstem Niveau gelöst sein müssen.
Entscheidend ist der nächste Schritt: Wo wird etwas Neues gedacht? Wo wird
gesellschaftliche Relevanz adressiert? Wo entstehen technologische oder prozessuale
Innovationen? Und ebenso wichtig: Gab es den Mut – bei Bauherren, Planern und
Gemeinden –, bekannte Wege zu verlassen?
Nachhaltigkeit ist dabei gesetzt. Der eigentliche Anspruch geht darüber hinaus: Architektur
muss ein positives Bild von Zukunft formulieren. Sie muss inspirieren und Räume schaffen,
die mehr leisten als reine Funktion.
Dein Projekt verdient diese Bühne.
Die Einreichungsphase für den BADAP 2026 läuft noch bis zum 14. Juni.
👉 badap.de
christianbergmannde
Kooperationspartner: AED Förderung von Architektur, Engineering und Design, Stuttgart