13/10/2019
Gestern ermordeten mit der Türkei verbündete islamistische Milizen Hevrin Khalaf. Die 35-jährige kurdische Frauenrechtlerin und Generalsekretärin der Future Syria Party war mit ihrem Auto unterwegs in die Stadt Tel Abyad, als der Wagen von den Islamisten gestoppt wurde. Sie und ihr Fahrer wurden an Ort und Stelle ermordet. Rund um die Stadt ermordeten islamistische Milizen gestern neun Zivilist*innen, von einigen der Morde stellten sie Videos ins Netz.
Die Türkei bombardiert gezielt auch Camps, in denen IS-Kämpfer gefangen gehalten werden. Dadurch hat sie heute 800 IS-Kämpfern und ihren Angehörigen zur Flucht verholfen. In dem bombardierten Camp in Ain Issa sind normalerweise mehrere Hundert SDF-Angehörige als Wachpersonal stationiert, wegen der Invasion der Türkei ist ein Großteil von ihnen abgezogen und an die Front verlegt worden. Das Bombardement war offenbar mit islamistischen Milizen koordiniert, die anschließend das Tor des Camps angegriffen haben sollen. (https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-10/islamischer-staat-militaeroffensive-tuerkei-kurden-nordsyrien-gefaengnis-ausbruch) Ain Issa liegt übrigens außerhalb der von der Türkei angestrebten 30-Kilometer-"Sicherheitszone", auf halbem Weg zwischen der türkisch-syrischen Grenze und der Stadt Raqqa, der ehemaligen "Hauptstadt des IS", die die SDF vor genau zwei Jahren befreit hatten.
Die türkische Kriegsführung zielt auf die Vertreibung der kurdischen Bevölkerung und die Zerstörung der einzigen demokratischen Region in Syrien. Sie baut den besiegten IS wieder auf und gibt ihm und anderen islamistischen Verbänden freie Fahrt für Gräueltaten, Massaker und Terror. Es ist nicht so, dass das den westlichen Partnern der Türkei nicht bekannt wäre. Einen großen Teil der Waffen, die die Türkei gegen die demokratische Selbstverwaltung in Rojava/Nordsyrien einsetzt, hat sie von deutschen Unternehmen bekommen, die Bundesregierung und die EU unterstützen die Türkei im Rahmen des EU-Türkei-Deals mit Milliarden Euro, mit politischer Rückendeckung und durch die Kriminalisierung der kurdischen Bewegung in Deutschland. Deutschland trägt eine Mitverantwortung für die türkische Invasion und den erklärtermaßen auf ethnische Säuberung angelegten Krieg gegen die Menschen - nicht nur die kurdische Bevölkerung - in Nordsyrien. Aktuell versucht sie, in Kobane zu vollenden, was dem IS nicht gelungen ist. Seit heute Mittag bombardiert sie das Stadtzentrum von Kobane.
Ebenfalls heute hat die Türkei einen zivilen Konvoi bombardiert, in dem offenbar auch ausländische Journalisten untewegs waren, und dabei mehrere Menschen getötet.