17/04/2026
Sehr geehrter Friedrich Merz,
manchmal frage ich mich, ob zwischen politischer Beschlusslage und unternehmerischer Realität eigentlich noch eine Brücke existiert – oder ob wir längst auf zwei völlig unterschiedlichen Karten navigieren.
Während draußen tausende Unternehmen Schlagseite haben oder bereits untergehen, verkünden Sie eine steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 €.
Eine „Kann“-Regelung, sagen Sie.
In der Praxis ist es eher ein gut verpacktes „Warum macht ihr das eigentlich nicht?“.
Was bei Ihnen wie eine freundliche Option klingt, kommt bei Mitarbeitern verständlicherweise als klare Erwartung an. Und damit wird aus politischer Symbolik sehr schnell betrieblicher Sprengstoff.
Denn Hand aufs Herz:
Viele Unternehmen kämpfen aktuell nicht mit der Frage, ob sie 1.000 € extra zahlen WOLLEN – sondern ob sie in sechs Monaten überhaupt noch existieren.
Sie verlagern Verantwortung dorthin, wo die Spielräume längst aufgebraucht sind.
👉 Energiepreise sind hoch
👉 Kosten explodieren
👉 Nachfrage wackelt
👉 Insolvenzen steigen nachweislich
Und Ihre Antwort darauf:
Unternehmer sollen bitte noch eine Prämie drauflegen – freiwillig natürlich.
Herr Merz, wir Unternehmer sind nicht das Problem und wir sind nicht dafür da Ihre Probleme mit immer neuen Erwartungen zu lösen.
Wir sind der Teil, der dieses Land überhaupt am Laufen hält – oft mit deutlich weniger Rückenwind, als politisch angenommen wird.
Wenn Sie wirklich entlasten wollen, dann tun Sie das bitte direkt.
Ohne Umweg. Ohne Erwartungsdruck. Ohne moralische Verpackung.
Denn aktuell wirkt diese Maßnahme weniger wie Hilfe –
und mehr wie ein weiterer Griff in die ohnehin schon strapazierten Kräfte des Mittelstands.
Mit salzigen Grüßen von der rauen See der Realität