07/07/2022
Das ist der Text aus dem Bericht.
Einst muss es in Dillenburg wie im Märchen überall nach frisch gebackenem, knusprigem Brot geduftet haben. In den 50er und 60er Jahren gab es noch rund 25 Bäckereien in der schönen Fachwerkstadt im hessischen Westerwald. Die Zeiten haben sich hier, wie an vielen anderen Orten im Laufe der Zeit geändert und geblieben sind heute noch zwei Bäckereien mit eigener Backstube am Ort. Die Bäckerei Stoll ist eine davon und eine echte Institution in Dillenburg. Das Stolle Brot ist der Leuchtturm des kleinen, feinen Handwerksbetriebs, aber auch die weiteren 15-20 Brotsorten lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Fast könnte man an der Auslage des kleinen Bäckerladens achtlos vorbei gehen, aber dann hätten Passanten in der Hauptstraße eine der besten Bäckereien weit und breit verpasst. In dem rund 400 Jahre alten Fachwerkhaus befindet sich der kleine Verkaufsraum, der auf wenigen Quadratmetern den Himmel für qualitätsorientierte Brotliebhaber bereithält. Seit über 100 Jahren ist dort die Bäckerei Stoll zu Hause, die in der nun fünften Generation wunderbare Backwaren produziert. Bäckermeister Christoph Stoll führt dort mit seiner Tochter Anna-Elisabeth, die ebenfalls Bäckermeisterin ist, dem langjährigen Bäckergesellen Jens und einem Auszubildenden den Betrieb, der weit über die Grenzen der Oranierstadt bekannt ist.
Das Streben der Traditionsbäckerei nach besten und natürlich hergestellten Backwaren ist gestern wie heute das Ziel. Dazu reiste schon der Vater von Christoph Stoll in den 70er Jahren über den Westerwald und schaute den Bäuerinnen über den Backtrog und in den Dorfbackes. Schließlich war es in den Dörfern seit Jahrhunderten Tradition, im Backhaus das Brot zu backen, das nicht nur wunderbar schmeckte, sondern auch lange haltbar sein konnte. Wie ein richtig gutes Bauernbrot schmeckt auch die Spezialität der Bäckerei Stoll. Als Stolle Brot bekannt, ist es ein 80% Roggen-20% Weizenbrot und bekommt seinen so herzhaften guten Geschmack durch den selbst angesetzten dreistufig geführten Sauerteig. Ein rustikaler Brottraum, der beweist, wie gutes Brot schmecken sollte. Maschinen zum Rühren und Kneten werden in der Backstube natürlich eingesetzt, aber die Handarbeit steht immer noch im Mittelpunkt, die neben den besonderen Arbeitszeiten an den Kräften zehrt.
Hier gibt es keinen Gärschrank, keinen Froster, werden keine Backhilfsmittel verwendet. „Das hatten die Landfrauen früher auch nicht“ ist die Antwort des Bäckermeisters Christoph Stoll. Und so werden hier die Traditionen bis heute hochgehalten. Brotbacken ist des Bäckermeisters große, aber nicht einzige Leidenschaft. Er ist auch Vollblutmusiker, besitzt eine beeindruckende Gitarrensammlung, baut selbst und repariert Gitarren und hat viele Jahre eine eigene Band geleitet. In der Dillenburger Bäckerei ist eben Musik drin!
„Wir backen wie früher, inspiriert von bewährten Rezepturen Westerwälder Landfrauen.“
Christoph Wilhelm Stoll