03/09/2026
VOM TECHNIKER ZUM BROTHELD – TEIL 4 ❤️
Ich wollte aufstehen. Aber mein Körper sagte Nein.
An diesen Morgen kann ich mich bis heute erinnern.
Eigentlich hatte mein Körper mir schon lange vorher gesagt, dass etwas nicht stimmt. Nur hören wollte ich nicht darauf.
2018 begann sich mein Leben immer mehr zu verändern.
Meine Arbeitstage waren zwölf Stunden oder länger. Und wenn ich nach Hause kam, kam die Arbeit mit. Nicht körperlich – aber in meinem Kopf.
Probleme, Sorgen, Dinge, die noch erledigt werden mussten. Ich konnte immer schlechter abschalten.
Meine Frau merkte lange vor mir, was da gerade passierte.
Sie sagte immer wieder zu mir:
„Schau hin. Dir geht es nicht gut.“
Aber ich wollte davon nichts wissen. Für mich war klar: Ich muss funktionieren. Wir haben eine Familie, drei Kinder – und finanziell muss es schließlich auch weitergehen.
Also redete ich mir ein, dass es schon wieder werden würde, und machte einfach weiter.
Irgendwann schlief ich schlecht, war ungewöhnlich oft krank und mein Körper zwang mich immer öfter zu Pausen.
Krank. Wieder arbeiten. Wieder krank. Wieder zurück.
Bis zu diesem einen Morgen.
Ich wollte aufstehen.
Aber es ging nicht mehr.
Mein Körper und mein Kopf waren leer.
Kurz darauf ging ich zu meiner Hausärztin. Ich weiß noch, wie sie zu mir sagte:
„Ich glaube, du brauchst einmal ein bisschen etwas anderes.“
Es folgten der Weg zum Spezialisten, Krankenstand und schließlich die Erkenntnis, die ich lange nicht wahrhaben wollte:
Burnout.
Plötzlich war ich derjenige, der nicht mehr funktionierte.
Und damit kamen ganz andere Sorgen.
Bei einem gebrochenen Arm weiß man ungefähr, wann man wieder einsatzfähig sein wird.
Aber wann ist man nach so einer Diagnose wieder „gesund“?
Ich konnte diese Frage nicht beantworten.
Wenn die Firma anrief, zog sich bei mir innerlich alles zusammen. Nicht weil ich nicht arbeiten wollte – sondern weil ich nicht sagen konnte, wann ich wieder arbeiten können würde.
Dazu kamen Schuldgefühle.
Kann ich meine Familie noch ausreichend versorgen? Wie lange wird das dauern? Was, wenn ich nicht mehr der werde, der ich vorher war?
2019 folgten viele Therapien und schließlich sechs Wochen Reha in St. Radegund.
Dort hatte ich erstmals wirklich Zeit, wieder klarer zu werden. Zu mir zu finden.
In dieser Zeit war ich sehr oft am Schöckl unterwegs. Einfach gehen, den Kopf frei bekommen und meine Gedanken ordnen.
Auch dieses Foto entstand damals auf dem Weg hinauf. ❤️
Und langsam lernte ich, dass ich mich für das, was passiert war, nicht schuldig fühlen musste.
Aber mein Burnout traf nicht nur mich.
Auch meine Frau und unsere drei kleinen Kinder litten unter dieser Zeit.
Ich war vorher schon oft nicht wirklich da gewesen. Körperlich vielleicht – aber mit meinen Gedanken irgendwo bei der Arbeit.
Und während meiner Reha war ich dann auch körperlich sechs Wochen weg.
Meine Frau hielt in dieser Zeit unser gesamtes Familienleben alleine am Laufen. Heute weiß ich viel besser, was sie damals alles geleistet hat. Und wenn wir heute darüber sprechen, merken wir, dass diese Zeit bis heute Spuren hinterlassen hat. ❤️
Im September 2019 wollte ich schließlich wieder zurück in die Arbeitswelt.
Kurz vor meinem ersten Arbeitstag nach der Reha kam die Nachricht:
Man brauchte mich nicht mehr.
Ich wurde bis zum Jahresende freigestellt.
Obwohl ich innerlich irgendwo wusste, dass es wahrscheinlich richtig war und eine Rückkehr für mich nicht gut gewesen wäre, brach in diesem Moment trotzdem eine Welt zusammen.
Gleichzeitig wusste ich inzwischen auch, dass ich nicht mehr dorthin zurückkonnte, wo ich vorher gewesen war.
Ich hatte über lange Zeit versucht, eine Arbeitsbelastung zu stemmen, die eigentlich für drei Personen gedacht war. Und selbst wenn ich zu Hause war, bekam ich die Arbeit nicht mehr aus meinem Kopf.
Irgendwann hatte mein Körper die Grenze gezogen, die ich selbst viel zu lange nicht ziehen konnte.
So wie vorher wollte und konnte ich nicht mehr weitermachen.
Nur hatte ich überhaupt keine Ahnung, was stattdessen kommen sollte.
Und dass mich die Suche nach einer Antwort irgendwann in eine Backstube führen würde?
Das wusste ich damals selbst noch nicht. 🥖
Aber das ist Teil 5 meiner Geschichte. ❤️