07/06/2026
Familienforscher-Jahrestagung 🌳
Andrea Harnisch begrüßte die Teilnehmer/-innen unserer 32. Familienforscher-Jahrestagung gestern im "richtigen" Leubnitz und thematisierte in diesem
Zusammenhang Entwicklungslinien.
Nach einer groben Orientierung über Karten und Messtischblätter sowie dem Verweis auf das von Beierlein veröffentlichte Mühlen-Register in der 40. Jahresschrift (1935-1937) konnte es auch schon losgehen mit den neuesten Forschungsergebnissen zu den Leubnitzer Mühlen.
📍 Jens Grüner und Andrea Harnisch begannen mit zusammenfassenden Betrachtungen, z. B. dass viele Mühlenbetreiber offenbar zunächst Pächter und erst später Besitzer geworden sind, der Name Glück relativ häufig vorkommt (vergleichbar mit Maul für Schmiede) und in Bezug auf unser Tagungslokal vieles neu gedacht werden muss, von Produktionsbeginn bis überregionale Bedeutung ...
💧 Für die WEISSMÜHLE konnte ein Besitzerstammbaum auf Basis der Witwe Glück (1637, Schneide- und Knochenmühle) entwickelt werden, infolge ihrer 2. Ehe mit Lippold - spätere Familiennamen bis in die Gegenwart: Hegner, dann Franz, Grimm, Fahrner, Metzner, Witt.
💧 Bei der FORSTMÜHLE bleiben lange Zeit die Leubnitzer Grundherren Eigentümer:
zunächst Röder, dann andere, ab 1596 wieder mit Trützschler und Bodenhausen.
Eigentümer zwischen Röder und Trützschler: waren die nichtadeligen Familien Hopf, Luft, Jacob, Morch.
Zu den Pächtern unter Trützschler gehörten Morch, Simon, Gruber, Liebold, ...
Auch bei Bodenhausen als Eigentümer wechselten die Pächter.
Seit 1710 erschien Wurtzbacher als Eigentümer, ab 1775 Zeidler, ... Jahn, Maul, Seifert, ..., Müller, Künzel, Karing, Kirschner.
Ein großer Anbau während des Nationalsozialismus und die Nähe zur Ideologie führten 1945 zur Flucht und Enteignung, sodass die Mühle zwischen 1949 und 1990 Volkseigentum war.
1991 wurde die Familie Karing Pächter und 1997 Eigentümer.
💧 Die TEICHMÜHLE ist von Trützschler erbaut worden, später war auch Bodenhausen Eigentümer.
Zu den Pächtern gehörten Morch, Gruber, Simon und Glück.
Eigentümer wurden anschließend Preller (auch Tischendorf), Biedermann, Karing, Bräutigam (Pächter: Spielmann, Scholz), Schmidt.
Ab 1976 betrieb die defa ein Ferienheim, seit 1991 befindet sie sich im Besitz der Familie Freund.
💧Für die PAPIERMÜHLE ergaben sich die interessantesten neuen Erkenntnisse. Bereits 1691 wird sie erwähnt und damit Namen wie Lenckersdörfer, Oberster, Keyssner/Geissner, Wunderlich (Pächter Flinsch), Rumer/Rubner und Flinsch.
Die Familie Flinsch entwickelte sich zu einer bedeutenden Papiermacher-Familie ... weit über Leubnitz hinaus. Unternehmen in Blankenburg und Penig entstanden und Produktpalette und -qualität überzeugten.
😉 Für eine Papiermüller-Ausbildung waren 7 Jahre Lehrzeit ... ohne Lehrgeld vorgesehen, aber nach dem Freisprechen musste ein 2 Tage dauerndes großes Essen für alle umliegenden Müller ausgegeben werden. Zudem blieben sie die einzigen Handwerker, die einen Degen tragen durften.
Nach der Familie Flinsch übernahmen Müller, Eisenschmidt, Heinig, Maul, Leisering, Hirschmann, Oehmig.
Ab 1870 ist nur noch von einer Dampfpappenfabrik zu lesen, ... auch sonst eher Abstieg ... im Vergleich mit Flinschs Zeit und deren wirtschaftlicher Situation (Standortvorteile ihrer Standorte s. o.: zentrale Lage, Eisenbahn)
1923 musste die Produktion eingestellt werden, ... als weitere Besitzer finden Grüner und Naumann Erwähnung.
Seit 1967 bestand ein Ferienheim, später gibt es die Besitzerfamilie Schmidt, seit 1984 Gaststätte "Connys Bauernstube".
📍 Christian Espig sprach über
GENERATIVE GENEALOGIE und sensibilisierte für die weitere Verwendung von individuellen Erkenntnissen in der Familienforschung. Als Perspektiven bieten sich z. B. vergleichende Betrachtungen im
Hinblick auf Berufe, Lebensorte, Generationen (Mobilität, Lebensinhalte, ...) >>> Gesellschaftsformationen an.
📍 Zur Motivation für eine ortskundliche Nachmittagsgestaltung informierte Ina Schaller dann noch über unser WAPPENRÄTSEL zum Epitaph an der Leubnitzer Kirche.
📍 Am Nachmittag konnten Interessierte mit Kathrin Fuchs in Leubnitz UNTERWEGS sein.
🔔 Die zuerst 1300 erwähnte Kirche wurde im Jahr 1517 restauriert und auch 1823 (z. B. Fenster eingebaut) und 1995 (ursprüngliche Farben wiederhergestellt) baulich verändert - z. B. gab es ursprünglich sieben Aufgänge von außen ... für jedes Dorf extra, sodass die Männer auf die Emporen (Abbau der zweiten nach 1945) kamen, die Frauen saßen zusammen unten.
🔔 Der barocke Altar vermittelt mit seiner Gestaltung verschiedene Botschaften, so dass das Neue Testament auf Säulen/Basis des Alten Testaments steht oder: "Das Wort Gottes ist das Schwert." ... und ganz oben mit dem Siegesengel aus der Offenbarung "Gottes Wort ist wahr."
🔔 Eine Mondsichelmadonna ist das älteste Stück der Kirche.
🔔 Für Kirchenmusik steht eine Heidenreich-Orgel zur Verfügung, dem Hofer Gegenspieler von Trampeli in Adorf.
Gerichts- und Schulgebäude, verschwundene Gasthäuser und die zweifache Plünderung von Dorf und Kirche im Jahr 1806 zunächst durch französische und später durch bayerische Truppen kamen zur Sprache.
📍 Nach dem Kaffeetrinken in der "Papiermühle" verabschiedeten sich die meisten, aber im kleineren Kreis setzte sich der Forschungsaustausch bis in den Abend hinein fort.